| Die Türkei und Deutschland verbindet seit vielen Jahrzehnten eine gemeinsame Geschichte. Seit in den 1960er Jahren türkische Gastarbeiter nach Deutschland gelockt wurden, um das Fortbestehen des Wirtschaftswunders zu sichern, hat es eine große Zuwanderung von Türken nach Deutschland gegeben. Etwa 1,8 Millionen Türken leben im Moment in der Bundesrepublik (Stand: 2006). Auch wenn das Zusammenleben nicht immer reibungslos verlief in der Vergangenheit, so konnte man doch beim Halbfinalspiel der Europameisterschaft 2008 zwischen der Türkei und Deutschland feststellen, dass die Gräben längst nicht so groß sind wie immer befürchtet. In den Städten mit großem Türken-Anteil wie Berlin und Köln ließ sich auf den großen Plätzen nach dem Spiel beobachten, wie friedlich miteinander gefeiert wurde.
Überhaupt ist die Fußballverrücktheit ein verbindendes Element der beiden Nationen. In der türkischen Hauptstadt Istanbul gibt es alleine drei Erstligavereine. Galatasary, Besiktas und Fenerbahce haben eingeschworene Fangemeinden und zelebrien die Fußballbegeisterung mit einer unnachahmlichen Leidenschaft. Allerdings hat Istanbul weit mehr zu bieten als Fußball. Durch die heikle Lage am Bosporus, zwischen Asien und Europa, war es schon früh ein begehrenswertes Ziel für mächtige Herrscher. Der römische Kaiser Konstantin machte die Stadt Byzanz zu seinem Regierungssitz und nannte sie Konstantinopel. In der Folge wurde sie das Zentrum des byzantinischen Reiches und bildete sowohl machtpolitisch als auch religiös für viele Jahrhunderte einen Gegenpol zu Rom. Im Jahr 1453 eroberten die Osmanen die Stadt, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschten, ehe die moderne Türkei durch Atatürk begründet wurde.
Diese wechselvolle Geschichte spiegelt sich heute noch in der modernen Metropole wieder, zu der Istanbul mittlerweile geworden ist. Der Besuch der im 6. Jahrhundert erbauten Hagia Sophia stellt einen Höhepunkt für jeden an Kunst und Kultur interessierten Besucher dar. Bis heute gibt sie der Wissenschaft Rätsel auf, z.B. in der Frage, wie es gelingen konnte, eine 56 Meter hohe und 31 Meter im Durchmesser betragende Kuppel auf bloß vier Pfeilern zu erbauen. Die technische Meisterleistung bei diesem Projekt kann kaum unterschätzt werden. Aber auch die Form und Gestaltung der Kirche, die nach 1453 als Moschee benutzt wurde, hatte großen Einfluss. So ist die berühmte Pfalzkapelle von Karl dem Großen in Aachen ohne das Vorbild der Hagia Sohia undenkbar. Geht man auf Erkundung in Istanbul wird man im Kleinen wie im Großen viele Verbindungen zur europäischen Kultur finden, was nicht verwundert, denn Byzanz und der Westen standen fast ein Jahrtausend lang im regen Austausch. |